Portrait

Manfred S., 57 Jahre

Sein Leben verläuft turbulent: Haftentlassen, wohnungslos, ohne soziale Anbindung, ohne gesicherte materielle Grundlage, langzeitarbeitslos, überschuldet und psychisch instabil.
Manfred S. lebt seit April 2008 im Caritas-Wohnheim St. Alfons in Ingolstadt.

Wohnungslos

Ich hatte das Gefühl, alles verloren zu haben

Manfred S. im Gespräch mit einer Beraterin der Caritas

Sozialpädogigin Mathilde Funk begleitet Manfred S.
Von ihm erzählt sie im Eichstätter Radio K1 .

Ich war 13 Jahre lang Bus- und Lkw-Fahrer. Dieser Job brannte mich körperlich wie psychisch aus. Auch meine Ehe zerbrach daran, denn ich war ständig von zu Hause weg.
Ich machte mich dann mit einer Kneipe selbstständig, die ich allerdings nur rund zwei Jahre lang unterhalten konnte. Anschließend versuchte ich es bei einer Autofirma, musste dies aber aufgrund gesundheitlicher Beschwerden aufgeben. Seit rund sieben Jahren bin ich nun arbeitslos.

Stress mit Freunden und der Polizei

Vier Jahre lang lebte ich mit einer Freundin zusammen. Die Beziehung ging Ende 2007 nach einem großen Streit auseinander. Ich verließ die gemeinsame Wohnung und fand Unterschlupf bei einem Freund. Dort blieb ich nicht lange, weil ich das Gefühl hatte, dass er mich ausnutzt. Kurze Zeit später landete ich für zwei Monate in der Justizvollzugsanstalt Ingolstadt. Die Polizei hatte mich ohne Führerschein erwischt. Der Sozialdienst im Gefängnis überwies mich anschließend ins Caritas-Wohnheim.

Neue Struktur für den Alltag

Seit ich hier lebe, habe ich einen geregelten Tagesablauf. Anfangs brachte ich im Rahmen der Arbeitstherapie meine Kenntnisse in der einrichtungseigenen Kfz-Werkstatt ein. Bandscheibenprobleme zwangen mich dort aufzuhören. Derzeit beteilige ich mich an Montagearbeiten, verpacke zum Beispiel Glühbirnen und sortiere Plastikteile. Sobald es das Wetter zulässt, will ich im Hof und Garten des Wohnheims mithelfen.

Mit der eigenen Erfahrung anderen helfen

Ich habe Erwerbsminderungsrente beantragt. Das wurde abgelehnt, doch ich habe Widerspruch eingelegt. Denn es ist klar, dass ich keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen kann. Mein größtes Ziel ist, wieder in eine eigene Wohnung zu ziehen. Später möchte ich mich selbst sozial für Menschen am Rande engagieren. Ich kann mir vorstellen, Essen in einer Tafel auszugeben oder anderen Wohnungslosen aus meiner eigenen Erfahrung heraus zu helfen. Und in einer Musikgruppe will ich in Zukunft auch spielen: Nicht nur, weil ich ein „alter Schlagzeuger“ bin, sondern auch, um so Kontakte zu anderen aufzubauen .´

Aufgezeichnet von Peter Esser, Caritasverband für die Diözese Eichstätt e.V. und Katrin Ruf