Soziale Manieren

... in der Bundespolitik

Soziale Manieren für eine bessere Gesellschaft. Dieses Ziel gibt die Caritas im Super-Wahljahr 2009 auch für die Politiker aus. Doch nicht alle halten sich an diesem Ehrenkodex, wie das Beispiel Philipp Mißfelder von der Jungen Union zeigt.

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Was Philipp Mißfelder von der Jungen Union über Hartz-IV-Empfänger denkt…

Rote Karte für den Bundesvorsitzenden der Jungen Union. Philipp Mißfelder hatte die geplante Erhöhung des Kinderregelsatzes für Hartz-IV-Empfänger als Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie bezeichnet. Was für ein Bild hat dieser Mann von Menschen, denen das Wasser finanziell bis zum Hals steht? Von Eltern, die ihren Kindern nicht einmal ein Vesper mit in die Schule geben können, weil ihnen das Geld dafür fehlt? Gerade mal 35 Euro im Monat mehr spült ihnen das Konjunkturpaket II in die Haushaltskasse, um den Lebensunterhalt ihrer Kinder zu sichern. Wie viele davon werden das Geld tatsächlich in Schnaps und Zigaretten umsetzen?

Sucht als Flucht - Dein Problem

Sicher, es gibt einige unter den rund sieben Millionen Leistungsempfängern, die ihr Leben nicht mehr ohne Hochprozentiges meistern. Doch statt darüber nachzudenken, wie man diesen Menschen aus ihrer Sucht helfen kann, haut sie Herr Mißfelder in die Pfanne. Warum sollten diese Leute noch mehr Geld vom Staat bekommen? Einmal ganz davon abgesehen, dass es auch wohlhabende Menschen mit einem Suchtproblem gibt.

Das Navi neu ausrichten

Die Äußerungen des 30-Jährigen CDU-Bundestagsabgeordneten stimmen bedenklich, vor allem, da er den „christlichen Glauben als Kompass“ für sein politisches Handeln bezeichnet. Auf seiner Website schreibt er: „Die Vermittlung von Werten ist nicht nur in der Bildungspolitik wichtig, sondern ebenso beim Miteinander der Generationen.“ Recht hat er. Doch diesen Maßstab sollte er auch anlegen, wenn es darum geht, allen Menschen faire Entwicklungschancen zu geben. Auch denen, die in einem Alkoholikerhaushalt aufwachsen.

Marc Boos

PS: Die Caritas hat nachgerechnet. Der tatsächliche Bedarf von Kindern und Jugendlichen liegt je nach Alter bis zu 54 Euro höher als die aktuellen Hartz-IV-Sätze. Da greift selbst die geplante Erhöhung der Kinderregelsätze um 35 Euro für die Sechs- bis 13-Jährigen zu kurz.
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