Portraits

Bernd, 59 Jahre

Wohnungslosigkeit und Alkohol. Davon will Bernd wegkommen. Und die Chancen stehen nicht schlecht, denn der Kölner hat Hilfe angenommen.

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Wohnungslos

„Willst du ewig so weiter machen?“

„Die sind doch selbst schuld daran. Brauchen doch nicht so zu saufen.“ Bernd, 59 Jahre, hatte früher nur Verachtung für die Menschen übrig, die ihr Leben nicht im Griff haben. Doch dann kam es für ihn anders als gedacht. Der gelernte Fotofachverkäufer tat etwas, „das nicht korrekt war“. Dann stand er plötzlich da ohne Zeugnis, mit Auflösungsvertrag und Hausverbot. Er schrieb Bewerbungen ohne Ende und musste sich immer wieder anhören, dass er mit 44 nicht in das junge dynamische Team passe. Irgendwann kam er mit dem Geld nicht mehr aus. Er zog zu seiner Mutter, die kurz darauf verstarb.

Das Leben auf der Straße ist hart

Finanziell ging es für ihn immer weiter bergab. „Ich zog dann in eine Bruchbude ohne Heizung, nur mit Kaltwasser.“ Bernd wurde zum Freizeitalkoholiker. Die nächste Unterkunft war noch schlimmer. „Nee, dann bin ich lieber auf Platte gegangen. Ich hatte die Schnauze voll“, erinnert er sich. „Aber das Leben auf der Straße ist hart. Und wenn man nicht aufpasst, wird einem auch noch das Wenige geklaut, das man besitzt.“ Bernd erzählt von einem Erlebnis auf einer Parkbank. Er wird eines Morgens von einem Plätschern wach und muss feststellen, dass er von anderen Wohnungslosen angepinkelt wird. „Einfach so.“ Das Jahr auf der Straße überlebt er, weil er sich mit einem Kumpel zusammentut.

Kleine Schritte aus der Misere

In der Kontaktstelle des Sozialdienstes katholischer Männer (SKM) in Köln spricht ihn irgendwann ein Sozialarbeiter an: „Hör’ mal, willst du ewig so weiter machen?“ Für Bernd ist dies der erste Schritt aus der Misere. Er sieht ein, dass er ein Alkoholproblem hat und macht eine Therapie. Heute lebt er in einer Wohngemeinschaft des SKM und arbeitet in der Renovierungsgruppe des Beschäftigungsprojektes „De Flo“. Sein Ziel ist es, wieder selbstständig in einer Wohnung zu leben, in einem Sessel zu sitzen - bei einem guten Buch und einer Zigarette.

Alfred Hovestädt – Diözesan-Caritasverband Köln