Hilfe

für Kinder von Gefangenen

Viele Familien zerbrechen, wenn ein Elternteil ins Gefängnis muss. Oft liegt das daran, dass keine "normalen" Begegnungen mehr möglich sind. Das Projekt des SKM in Bochum zeigt, dass das auch anders geht.

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SKM Bochum

Ein bisschen Familie hinter hohen Mauern

Vanessa (Name geändert) ist elf Jahre alt. Sie besucht die vierte Klasse der Grundschule. Wie viele andere Mädchen in ihrem Alter, interessiert sie sich sehr für Pferde und schwärmt für die Band La Fee. In ihrer Freizeit geht sie gerne schwimmen oder chattet im Internet.
Soweit alles ganz normal. Das Besondere ist: Vanessas Vater sitzt wegen eines Raubüberfalls eine sechsjährige Haftstrafe in der Justizvollzuganstalt Bochum ab. Die Mutter muss die Familie alleine zusammenhalten und für den Lebensunterhalt sorgen. Für Vanessa hat sie deshalb nicht viel Zeit. Als „Große“ übernimmt sie tagsüber die Verantwortung für ihren siebenjährigen Bruder Ben und ihre kleine Schwester Leonie. Keine leichte Aufgabe für eine Elfjährige.

Mit so einer wollen wir nichts zu tun haben

Dabei könnte Vanessa selbst etwas Unterstützung gebrauchen. Vor kurzem haben ihre Mitschüler davon erfahren, dass ihr Vater „im Knast sitzt“. Seitdem haben sich viele ihrer Freundinnen von ihr abgewandt. Mit „so einer“ wollen sie nichts zu tun haben. Vanessa leidet unter der Situation. Kein Wunder, dass sich auch ihre schulischen Leistungen verschlechtert haben.

Familientreff einmal im Monat

Trotz allem hängt Vanessa an ihrem Vater. Sie freut sich, wenn sie ihn in der JVA besuchen kann. Leider sind die regulären Besuchszeiten stark eingeschränkt und auch recht unpersönlich. Vanessa ist deshalb froh, dass sie an den Familienseminaren teilnehmen kann, die der SKM – Katholischer Verein für soziale Dienste in Bochum e.V. in der Anstalt durchführt. Dabei kann Vanessa zusammen mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern einmal im Monat einen ganzen Samstagvormittag mit ihrem Vater verbringen. Nach einem gemeinsamen Frühstück erhalten die Familien Gelegenheit, sich in entspannter Atmosphäre ungestört zu unterhalten. Begleitet wird das Treffen von Birgitta Brämer, Sozialarbeiterin beim SKM und der Ehrenamtlichen Christl Kiefer.

Knastväter haben viel Zeit für Kinder

Noch wichtiger ist Vanessa aber die Vater-Kind-Gruppe, die zweimal im Monat stattfindet. An diesen Nachmittagen bringt ihre Mutter sie zur Pforte der JVA. Von dort aus wird Vanessa zusammen mit den anderen Kindern im Alter von acht bis 16 Jahren von zwei SKM-Mitarbeiterinnen in den Freizeitraum geleitet, wo die Inhaftierten schon mit Kakao und Keksen auf ihre Besucher warten. Es gibt viel zu erzählen. Vanessa genießt es, für zweieinhalb Stunden ihren Vater ganz für sich alleine zu haben. Besonders spannend findet sie die Spiele und Aktionen, zu denen die SKM-Mitarbeiterinnen Väter und Kinder gemeinsam einladen. Eine völlig neue Erfahrung für die Elfjährige, denn vor der Inhaftierung hat sich ihr Vater nie so viel Zeit für sie genommen.

Gute Aussichten für den Neustart nach der Haft

Auch wenn die Straftat von Vanessas Vater durch nichts zu entschuldigen ist und die Familie durch die Inhaftierung auf eine schwere Belastungsprobe gestellt wird, haben Vanessa und ihr Vater Glück. Denn während in den meisten Fällen die familiären Bindungen durch einen Gefängnisaufenthalt in die Brüche gehen, kann Vanessa die Beziehung zu ihrem Vater aufrecht erhalten. Die Familie erhält damit die Chance, nach Ablauf der Haftstrafe einen Neustart zu wagen. Das ist das Ziel des Hilfeprogramms „Kinder in Familien mit Straffälligkeit- Förderung und Prävention“, das der SKM Bochum 2004 als innovatives Projekt startete. „Auch Straffällige haben das Recht auf eine zweite Chance. Ausgesperrt und von der Gesellschaft gemieden, kann keine gelungene Resozialisierung erfolgen“, ist Geschäftsführer Wolfgang Frewer überzeugt von der nachhaltigen Wirkung der familienunterstützenden Maßnahmen.


Annette Schade - Caritasverband für Bochum e.V.