Wohnungslos
Nichts zu verlieren
Ich war ein Jahr obdachlos, weil ich Stress mit meinen Eltern hatte. Das ging einfach nicht mehr. Die Polizei kam, weil ich meine Mutter bedroht und Sachen kaputt gemacht habe. Das ist zweimal passiert. Einen Monat habe ich bei einem Freund gewohnt, bis mich seine Schwester rausgeschmissen hat. Dann lebte ich auf der Straße. Geschlafen habe ich hinter der Sparkasse, bei Regen auch auf offener Wiese, auf Parkbänken, überall. Da kannst du nicht sofort einschlafen. Man schläft zwei Stunden, wird wieder wach und läuft rum. Das macht einen Menschen kaputt.
Zwischen Halt und Absturz
Die ersten zwei Monate habe ich von nichts gelebt. Bei der Arbeitsagentur gab‘s kein Geld für mich. Ich war zu stolz zu betteln, deshalb musste ich klauen. Habe mir 20 Cent vom Kollegen geliehen, einen Pudding gekauft und den Rest in den Rucksack gesteckt. Das war mir in dem Moment egal. Ich hatte ja nichts zu verlieren. In der Zeit haben mir die Drogen den nötigen Halt gegeben - gleichzeitig haben sie mich immer wieder runter gezogen. Aber bei meinem Dealer konnte ich duschen und auch was essen.
Betreutes Wohnen als neue Chance
Auf der Straße leben, ist erst mal komisch. Da habe ich gelernt, dass man mit wenig Geld ein tolles Leben führen kann. Nicht so toll, wie wenn man 1.300 Euro verdient. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Ich bin nicht neidisch. Klar mache ich mir Gedanken, wieso das alles so passiert ist. Ich weiß: Ich bin selbst schuld, dass ich in dieser Situation bin. Aber was ändern kann ich doch nicht mehr. Ich habe eben ein Problem mit Autoritätspersonen. Momentan bin ich im betreuten Wohnen und einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme. Die schauen, ob ich meine Wohnung sauber halte. Wenn ich die Miete in die Finger kriegen würde, würde ich die bestimmt ausgeben.
Aufgeschrieben von Markus Lahrmann für Caritas in NRW
