Caritas-Verband Schaumberg-Blies
„Die Augen glänzen und sie lachen wieder“
„Das Schönste für mich ist zu sehen, wie ein psychisch Kranker aus seinem Tief wieder herauskommt“, erzählt Monika Wagner (Name von der Redaktion geändert) aus Schiffweiler. Die 52-Jährige gehört zusammen mit ihrem Mann Marc zu den 28 Gastfamilien, die im Saarland für den Caritas-Verband Schaumberg-Blies 36 psychisch Kranke betreuen. „Das sieht man im Gesicht der Menschen: Das hängt nicht mehr runter, die Augen glänzen und sie lachen wieder“.
Wie ein zweites Elternhaus
Neue Gastfamilien gesucht
Die Kriterien für Gastfamilien sind nicht so streng wie bei der Adoption von Kindern. Gastmütter und -väter dürfen auch älter
sein. Das sieht die Caritas gerne, denn sie haben mehr Lebenserfahrung. Eine besondere Ausbildung ist nicht nötig. Die Gasteltern
brauchen ein möbliertes Zimmer für den Gast und sollten täglich für ein warmes Essen sorgen. Sie erhalten 350 Euro Betreuungsgeld
im Monat sowie 400 Euro für Miete und Verpflegung.
Kontakt:
Rose Schwicker
Caritas-Verband Schaumberg-Blies
Telefon: 06821/920 970
Seit das Projekt „Betreutes Wohnen in Familien“ vor zehn Jahren startete, wohnten 17 psychisch Kranke bei den Wagners. Im Moment ist es der 41-jährige Peter. Drei behinderte Kinder, dann die Scheidung – das war für den gelernten Saarberg-Mechaniker zu viel. Die Ärzte diagnostizierten eine Psychose und der Sozialdienst der Klinik vermittelte Peter zum Gastfamilienprojekt. Für ihn ein Glücksgriff: „Das hier ist wie ein zweites Elternhaus für mich. Ich habe Rückhalt und kann mich bei Problemen aussprechen.“
Der Sprung zurück ins normale Leben
Längst nicht jeder psychisch Kranke schafft es wie Peter in eine Gastfamilie. „Wir prüfen genau, welche Kranken und welche Familien für das Projekt in Frage kommen“, erläutert Sozialarbeiterin Rose Schwicker. Ein Caritas-Team besucht die Familien, führt Gespräche, schaut sich die Wohnung an. Dann steht ein 14-tägiges Probewohnen an. „Danach kann jeder Beteiligte noch Nein sagen“, versichert die Sozialarbeiterin, denn „die Chemie zwischen Gast und Gastfamilie muss schließlich stimmen“. Das Projekt will Psychiatrie-Aufenthalte vermeiden, die Selbstständigkeit der psychisch Kranken steigern und sie langfristig wieder in die Lage versetzen, in einer eigenen Wohnung zu leben. Rose Schwicker freut sich über jeden Erfolg. Auch wenn es noch Ausnahmen sind: Die ersten haben den Sprung zurück ins Berufsleben und in eine eigene Wohnung bereits geschafft.
Irgendwann wieder in eine eigene Wohnung
Peters Bilanz nach fünf Jahren bei den Wagners ist ebenfalls positiv. „Ich bin nicht immer so fit wie jetzt gewesen“, sagt er. „Hier in der Familie werde ich gestärkt und aufgebaut.“ Inzwischen geht er zweimal pro Woche in die Tagesstätte Café Jonas. Der Dienstag ist für die Psychose-Gruppe in der Klinik, der Mittwoch für den Besuch der Kinder reserviert. Dass er irgendwann einmal mit einer Freundin in eine eigene Wohnung ziehen und einen kleinen Job annehmen wird – da ist sich Peter sicher. Wann das aber sein wird, „weiß nur Gott und meine Gast-Mama“.
Text: Andreas Kindel
