un-gewohnt
Ich bin für sie tot
Ich bin seit Januar 1988 wohnsitzlos und bin alleine unterwegs. Gerade übernachte ich in einem Bushaltehäuschen. Von 1998
bis 2001 war ich in einem Männerwohnheim in Stuttgart, dorthin kann ich jetzt nicht mehr zurück. Es gibt dort nur einmal eine
Aufnahme.
Anlass war die Kündigung der Betriebswohnung meiner Eltern bei Rosenheim. Nach dem Tod meiner Eltern musste ich ausziehen.
Die Gemeinde hat mir keine Wohnung anbieten können. Ich habe Geschwister, doch weiß ich nicht, ob sie noch leben. Ich bin
für sie tot und sie auch für mich, weil ich abgehauen bin. Das Grab meiner Eltern kenne ich nicht. Es zu besuchen, wäre irrational.
Seit 1973 bin ich arbeitslos, ich bin gelernter Automechaniker, habe bei der Bundeswehr den LKW-Führerschein gemacht und war
auch im Fernverkehr einer Spedition tätig. 1971 bin ich mit meinem Motorrad (absichtlich) auf einen Baum gefahren. Ich habe
mit schweren Kopfverletzungen überlebt und war zwei Jahre im Krankenhaus.
Der schmerzvollste Moment in meinem Leben war, als mir alle Führerscheine abgenommen wurden. Nach dem Unfall habe ich vom Arzt die totale Fahruntauglichkeit bescheinigt bekommen. Ich konnte nicht einmal mehr als Mechaniker arbeiten.
Der glücklichste Moment in meinem Leben? Die schönen Momente in meinem Leben waren immer relativ, mit schönen und nicht so schönen Dingen.
Mein nächstes Ziel? Jetzt bin ich 56. Da habe ich keine Träume mehr.
