
Irgendwann hat man die Schnauze voll
Mit kurzen Unterbrechungen bin ich seit 20 Jahren wohnsitzlos. Ich habe Gipser gelernt, ohne einen Abschluss. Immer wieder
habe ich Ausbildungen abgebrochen, dann kamen Alkohol und Drogen ins Spiel. Anlass war die Idee eines Freundes, nach Frankreich
zu gehen, wo mich niemand kennt und ich mit Drogen keinen Kontakt mehr haben wollte. Ja, ich war drogenabhängig und habe Hepatitis
A und C. Das kommt vom Spritzen des Heroins. Ich nehme keine Drogen mehr, Alkohol trinke ich auch keinen. Meine alten Freunde
sind alle tot. Ich bin krank.
Jetzt lebe ich in einem Geräteschuppen mit Peter, meinem Kumpel und meinem Hund Wolf. Ein kleiner Gaskocher ist unsere Heizung,
es gibt keinen Abzug. So müssen wir trotz Kälte immer wieder die Türe aufmachen.
Der glücklichste Moment in meinem Leben war mein Geburtstag vor sieben Jahren. Ich wurde in Frankreich von einer älteren Dame zum Essen eingeladen. Ich fühlte mich geborgen wie in einer richtigen Familie. Ich nannte sie „meine Oma".
Der schmerzvollste Moment in meinem Leben war der Tod eines Freundes vor 15 Jahren, der an einer Überdosis Heroin gestorben ist. Schlimm war auch, als mein Hund Theo vom Schnellzug in Frankreich überfahren wurde. Da wollte ich nicht mehr leben.
Mein nächstes Ziel? Endlich einen Platz zu finden, wo ich sagen kann, das ist mein Zuhause. Irgendwann hat man die Schnauze voll und will runter von der Straße.
