un-gewohnt
Ich wollte immer zum Anfang des Regenbogens
Ich bin seit 1980 wohnsitzlos und lebe jetzt in meinem Lager außerhalb von Rastatt, dort kann ich gut eine Plane spannen.
Anlass dafür war meine Scheidung. Nach der Scheidung habe ich erfahren, dass mein Sohn nicht von mir war. Später erfuhr ich
dann, dass meiner Frau der Junge weggenommen wurde und nach einer Adoption in ein Waisenhaus kam. Vor der Scheidung hatten
wir ein eigenes Haus. Ich bin Elektroinstallateur. Jetzt ist an einen Beruf nicht mehr zu denken. Ich kann mich nicht mehr
einordnen. Wenn mich jemand anschreien würde, könnte der Hammer fliegen. Ich habe eineinhalb Jahre exzessiv getrunken, jetzt
geht es. Oft muss ich mich zurückhalten. Fünf Stunden muss ich schlafen, sonst liegen meine Nerven blank.
Der glücklichste Moment in meinem Leben?
Meine Jugendliebe Karin, mit der ich drei Jahre zusammen war. Ich habe es kaputt gemacht. Ich wollte immer zum Anfang des
Regenbogens - jetzt bin ich hier.
Der schmerzvollste Moment in meinem Leben?
Die Enttäuschung, dass mein Sohn nicht meiner ist. Als ich es erfuhr, bin ich ab nach Spanien und dann auf die Straße.
Mein nächstes Ziel?
Sterben - jetzt bin ich froh, dass ich lebe. In der Natur, da war schon als Kind mein Platz. 60 Jahre würde ich gerne werden,
danach ist es mir egal.
