Wohnungslos
„Ich habe Scheiße gebaut!“
Steffen ist sein ganzes Leben lang auf der Flucht. Der Sohn eines Journalisten aus dem Schwarzwald hatte nach dem Realschulabschluss eine Schlosserlehre begonnen und bald wieder abgebrochen. Es folgte die Ausbildung zum Energieelektroniker. Da es in seiner Heimat keine Arbeitsstelle gab, wechselte er nach Ravensburg und blieb dort sieben Jahre in seinem Beruf. Dann aber gab es „tierischen Ärger mit der Freundin“, der zur Flucht vor der Frau und dem Umfeld führte. Ein Jahr lang zog Steffen R. von Bio-Bauernhof zu Bio-Bauernhof quer durch Deutschland. Es folgten drei Jahre Arbeit in Bayern als Elektriker. Dann ging’s nach Göttingen. Der Grund: eine gescheiterte Beziehung. „Dort habe ich Scheiße gebaut, das war mein tiefster Fall“, sagt der heute 38-Jährige, auch wenn er damals nach vier Monaten Untersuchungshaft freigesprochen wurde.
Alkohol zerstört alle Hoffnungen
Die Hoffnung, durch den Umzug zu seiner Schwester in Berlin wieder Boden unter die Füße zu bekommen, platzte. Zwar arbeitete er zwei Jahre, doch sein Alkoholproblem, das er schon seit seinem 15. Lebensjahr hat, war stärker. Er arbeitete nicht mehr, bezahlte seine Miete nicht mehr und rettete sich schließlich mit einem erneuten Umzug zu seiner Großmutter in Recklinghausen. Hier wurde er in eine Langzeittherapie eingewiesen, erlitt aber zwei Rückfälle und landete schließlich in den Katholischen Arbeiterkolonien Vreden.
Gelingt der Ausstieg aus dem Teufelskreis?
„Je öfter ich abstürze, umso schwerer wird es, aus dem Teufelskreis herauszukommen“, hat Steffen festgestellt. Heute ist er in einer Motivationsgruppe aktiv und fühlt sich „auf dem aufstrebenden Ast.“ Er möchte mit Hilfe des Seelsorgers im Antoniusheim die Gruppenarbeit forcieren und für sich selbst die Vergangenheit aufarbeiten. Dabei treibt ihn vor allem eine Frage um: „Will ich nicht oder kann ich nicht mit dem Alkohol aufhören?“ Dennoch: Steffen R. gibt sich noch nicht auf. Er möchte die Kolonien verlassen, in Vreden wohnen und wieder dauerhaft arbeiten.
