Portraits

Karl-Heinz, geboren 1958

arbeitet in der Gärtnerei des St. Antoniusheims , in dem er seit 2006 lebt. Die Katholischen Arbeiterkolonien Vreden sind eine Stationäre Einrichtung für Wohnungslose auf dem Lande.

aus: „Die Wucht des erlebten Schicksals“, Wohnungslose Menschen im St. Antoniusheim in Bild und Schriftportraits, 2008, Aschendorff Verlag mit Bildern von Ulrich Röfling und
Texten von Reimar Bage.

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Wohnungslos

Hirnblutung macht alle Pläne zunichte

Karl-Heinz im Portrait - Quelle: Aschendorff Verlag

Für Karl-Heinz K. lief zunächst alles nach Plan: Er besuchte die Grund- und Hauptschule, machte eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in Duisburg und arbeitete in diesem Beruf – unterbrochen durch die Wehrpflichtzeit bei der Bundeswehr. Dann aber kam für den gebürtigen Homberger das einschneidende Erlebnis seines Lebens: 1982 erlitt er eine Hirnblutung. Nach der Operation versuchte er ein Jahr lang in seinem Beruf wieder Fuß zu fassen. 1988 bekommt er die Kündigung. Die Beziehung mit einer Freundin geht in die Brüche und der Alkohol wird Karl-Heinz’ bester Freund. Höchste Zeit zum Gegensteuern.

Üble Erfahrungen im Obdachlosenheim

In einer Langzeittherapie in Duisburg-Buchholz musste er das normale Leben erst wieder erlernen, bevor er nach fünf Jahren ins Betreute Wohnen entlassen wurde. Doch die Rückkehr schlug fehl: Nach drei Tagen wurde Karl-Heinz K. rückfällig, trank wieder Alkohol und rutschte in die Obdachlosigkeit. Dort fühlte er sich zunächst wohl im Kreis von Gleichgesinnten, doch als der Winter nahte, ging Karl-Heinz K. in ein Obdachlosenheim. Die Erfahrungen dort waren für ihn in der Rückschau furchtbar. Und auch der Wechsel in ein anderes Heim änderte nichts daran.

„Fühle mich wohl und anerkannt“

So machte sich der heute 50-Jährige mit einem Sozialarbeiter auf die Suche nach einem geeigneten Langzeitheim und wurde schließlich in Vreden fündig. „Ganz wichtig für mich ist eine tägliche, sinnvolle Beschäftigung“, sagt Karl-Heinz K. Nur so könne er dem Teufelskreis, in den er in der Obdachlosigkeit geraten war, entkommen. Der geregelte Tagesablauf im Antoniusheim, das Verständnis seines Chefs in der Gärtnerei, sowie eine Arbeit, „die mir Spaß macht“, haben inzwischen zu dem Urteil geführt: „Hier fühle ich mich wohl und werde anerkannt.“ Und so kann sich Karl-Heinz K. gut vorstellen, im Antoniusheim in Vreden alt zu werden…