Wohnungslos
Die kriminellen Gedanken sind weg
Vier Jahre vor der Deutschen Wiedervereinigung kam Thomas E. im sächsischen Plauen zur Welt. Seinen Vater hat er nie kennen gelernt, seine Mutter erlebte er nur bis zum sechsten Lebensjahr. Dann wurde er in einem Heim untergebracht. Drei Jahre später nahm ihn eine Pflegefamilie auf. Der Pflegevater war Leiter einer Bankfiliale, die Pflegemutter erzog ihn zusammen mit seiner Stiefschwester. Doch als Thomas E. 14 Jahre alt war, trennten sich die Pflegeeltern. Mit der Pflegemutter und seiner Stiefschwester zog Thomas nach Stadtlohn. Hier schaffte er die Fachoberschulreife. Eineinhalb Jahre lang versuchte er das Fachabitur in Informationstechnik zu machen. Doch familiäre Umstände verhinderten einen erfolgreichen Abschluss: „Meine Pflegemutter lernte einen neuen Mann kennen, mit dem ich nicht zurechtkam.“ Das führte letztlich dazu, dass er aus der Wohnung gewiesen wurde.
Auf Diebestour statt in eine Ausbildung
Auf sich allein gestellt arbeitete Thomas ein halbes Jahr in einer Kunststofffirma, in der er auch eine Lehre beginnen sollte. Doch dazu kam es nicht, weil das Unternehmen aufgekauft wurde. Es folgten Anstellungen als Ein-Euro-Jobber, eine abgebrochene Kochlehre und wieder Tätigkeiten im Rahmen von Hartz IV. Untergekommen war Thomas E. in einer Jugendschutzstelle. Aber der Frust über die misslungene Arbeitssuche und das persönliche Umfeld mündeten schließlich in Straftaten wie Einbrüchen und besonders schwerer Diebstahl. Er sagt darüber nur: „Wir haben Müll gebaut.“ Der Lohn dafür: Diverse Strafen von Wochenendarrest über Geldstrafen bis zu 500 Sozialstunden. Den Rest arbeitet der 22-Jährige seit Dezember 2006 in der Gärtnerei des Antoniusheims ab.
Chance für einen Neuanfang?
In der Stationären Einrichtung für Wohnungslose in Vreden hat er in dem geordneten Tagesablauf eins schon geschafft: „Die kriminellen Gedanken sind weg.“ Und so ist er fest entschlossen, einen Neuanfang zu schaffen. „Am liebsten würde ich etwas Handwerkliches machen oder im Bereich Computer-Hardware tätig werden.“ Bewerbungen sind geschrieben, Jahrespraktika angefragt. Notfalls würde er sich auch eine Lehre in seiner alten Heimat Sachsen zutrauen.
