Hilfe

für Drogenabhängige

In Köln läuft ein besonderes Projekt: Streetworker und Polizisten gehen gemeinsam zu den Treffs der Drogensüchtigen. Diese erhalten so eine koordinierte Hilfe, die langfristig einen Weg aus der Sucht ermöglichen kann.

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Rainer S. berichtet in seinem Webtagebuch , wie er sein Leben nach der Sucht organisiert. 

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Koordinierte Hilfe statt Platzverweis

Drogenabhängige vor der Kölner Kontakt und Notschlafstelle | Foto: Höfling
Drogenabhängige vor der Kölner Kontakt- und Notschlafstelle.

„Das ist sozusagen unser Büro“, sagt Thorsten Bathe und zeigt mit einer ausladenden Handbewegung auf den Neumarkt in Köln, einem Treffpunkt für Drogenabhängige. Der Sozialarbeiter vom Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) ist im Rahmen eines neuen Kooperationsprojektes von Stadt und freien Trägern auf bekannten Drogenumschlagplätzen unterwegs. Der Projektname „Aufnehmendes Suchtclearing“ (ASC) steht für die Idee, den Kölner Abhängigen direkt vor Ort zu helfen: „Wir gehen raus und sind nicht darauf angewiesen, dass die Leute erst in eine unserer Institutionen kommen“, erklärt Bathe. Die Abhängigen werden aus der Szene in die Suchthilfe „aufgenommen“.

Unterstützung bei Behördengängen und Arztbesuchen

Das ASC zeichnet sich außerdem durch eine enge Zusammenarbeit von Polizei und Sozialarbeitern aus, die durch das Gesundheitsamt koordiniert wird. In regelmäßigen Besprechungen stimmen Polizisten und Streetworker miteinander ab, wie sie in einzelnen Fällen vorgehen. Manchmal kommen sie gemeinsam zu den einschlägigen Orten, an denen sich die Drogenabhängigen aufhalten. „Durch die Zusammenarbeit haben wir viele Handlungsmöglichkeiten und können individuell auf die einzelnen Personen eingehen“, erklärt Udo Kohlgrüber, Teamleiter in der Polizeiinspektion Köln-Mitte, in dessen Zuständigkeitsbereich der Neumarkt fällt. SKM-Mitarbeiter Bathe stimmt zu: „Die Drogenabhängigen kommen eben nicht nur mit der Polizei in Kontakt, die ihnen möglicherweise Platzverbot erteilt, sondern wir können ihnen gleich vor Ort unsere Hilfe anbieten“. Unterstützung gibt es zum Beispiel bei Behördengängen oder Arztbesuchen, aber auch wenn es darum geht, den Weg zu einer Therapie einzuschlagen.

„Alleine schaffe ich es nicht rauszukommen“

„Denk an unseren Termin morgen“, erinnert Thorsten Bathe einen seiner Klienten. Dem 34-Jährigen Sascha Klein (Name geändert) ist anzumerken, dass er unter Drogen steht: Seine Augen schauen ihr Gegenüber von sehr weit her an. Er und Thorsten kennen sich gut: Die Begrüßung ist vertraut, sie gehen fast freundschaftlich miteinander um. „Ich war sechs Jahre clean“, erzählt Sascha, „und dabei habe ich zu der Zeit nur wenige Meter von der holländischen Grenze entfernt gelebt“. 2005 hat dann seine Freundin mit ihm Schluss gemacht. Seitdem nimmt er wieder Heroin, mindestens ein halbes Gramm am Tag. „Alleine schaffe ich es nicht, da rauszukommen“, sagt Sascha.
Morgen will er Thorsten Bathes Diensthandy benutzen, um in der Substitutionsambulanz einen Termin auszumachen. Gemeinsam haben die beiden schon erreicht, dass Sascha Klein in einem Wohnhilfeprojekt unterkommen kann. „Da könnte er sich stabilisieren. Die weiteren Schritte wären dann, dass er eine eigene Wohnung bekommt und eine Therapie beginnt“, sagt Bathe. „Etwa Fifty-Fifty“, schätzt der Streetworker die Chance, dass es Sascha wirklich bis zur Therapie schafft.

Text und Foto: Gabriele Höfling