Hilfe

für arme Menschen

Viele Gäste, aber wenig Auswahl: Tafeln kochen, was sie kriegen. Sozialer Mittagstisch heißt die Tafel der Pfarrgemeinde Guter Hirt in Hildesheim-Drispenstedt. Die Helfer legen pro Tour täglich 120 Kilometer zurück, um Lebensmittelspenden einzusammeln. 

500 Mittagessen pro Tag
Radiobeitrag über die Wuppertaler Tafel von Monika Krawiecki.



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Caritas Hildesheim

Rainer Bartens parkt den weißen Mercedes auf dem Hof. Drei Helfer stehen zum Ausladen bereit. „Nur von hinten“, ruft ihnen der 59-Jährige zu. Der Laderaum des Kleintransporters ist so voll gepackt, dass die seitliche Schiebetür zu bleiben muss. Das Auspacken ähnelt einem Boxenstop in der Formel Eins. Kisten mit Obst und Gemüse, Brot und Milchprodukten werden im Handumdrehen entladen. Ob Joghurtpackungen, die vom Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum bedroht sind, oder eine Palette Trauben, 20 Packungen „Brutzelsenf“ oder zehn Pfund Kaffee, der Luft gezogen hat – nach zwei Minuten ist alles am richtigen Ort.

Fahrer Bartens packt den Kombi mit Lebensmitteln - Foto Schlensok
Abgelehnt wird nichts: Fahrer Bartens auf seiner Tour.

Wertvollstes Gut: fünf schwere Kartons mit je 360 Eiern. „Knickeier“ nennt Bartens die mit leichten Blessuren oder Flecken versehene Ware. „Die sind eher klein heute, gute Qualität, aber für den Verkauf ungeeignet“, sagt er. Genauso wie das Mohrenkopf-Ragout: Ein großer Karton mit Zehnereinheiten in durchsichtiger Verpackung, ausnahmslos zerdrückt. Mehr weiß als schwarz.

Kreatives Kochen ist angesagt

Fahrer Bartens muss wieder los, die dritte Fuhre heute. Zum Edeka-Auslieferungslager Nord bei Hannover, zu Supermärkten und Bäckereien. Manchmal zieht er Glückstreffer: Wo es zu einer Überproduktion kam, erhält er Lagerfähiges in großen Mengen. Normalerweise gibt es Joghurt, der bald abläuft, Aufschnitt, zerdrückte Konserven, Brötchen vom Vortag. Rainer Bartens, gelernter Keramiker, 25 Jahre Erfahrung in der Herstellung von Sicherheitsglas, Frührentner und durch seine Mitarbeit beim Sozialen Mittagstisch nebenbei auch wieder weg vom Rollator, sagt: „Es ist entweder zu viel oder zu wenig, aber wir lehnen nichts ab!“ Sein Kollege Hanns-Peter Röver ergänzt: „Was die Köchin leistet, ist wie beim Kochduell.“ Dieses Lob gilt Lidia Djatschkov. Die ABM-Kraft blickt auf die angelieferten Waren, „dann kommen mir die Ideen von alleine“. Wenn alle Stricke reißen, „gibt es eben Nudeln mit Käsesoße“.
Bartens kannte den Sozialen Mittagstisch vom Hörensagen. „Mir macht das irgendwie Freude“, sagt er. Die Fußgängerzone fegen – so eine Arbeitsgelegenheit mit Aufwandsentschädigung hätte er kategorisch abgelehnt. Hier hat es auf Anhieb gefunkt, er kann sogar für zwei Jahre bleiben, über eine weitere Verlängerung wird verhandelt. Was ihm auffällt: „Zum Mittagstisch kommen immer mehr junge Leute.“ Dann unterbricht er und meint: „Ich muss nach Hause, hab’ Hunger.“

Text und Fotos: Heribert Schlensok - Caritasverband für die Diözese Hildesheim