Hilfe

für psychisch angeschlagene Menschen

Ängste und Depressionen bekämpfen,  Zwänge besiegen – kurz: den Alltag auf die Reihe bekommen. Menschen mit psychischen Problemen tun sich schwer, das Tempo der Arbeitswelt mitzugehen. Eine Alternative bieten Projekte und Angebote wie die Cafétas in Bruchsal.

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Caritas Bruchsal

Wo Einkaufen zur Therapie wird

Frank Walter vor der Cafétas in Bruchsal - Foto: Wormer
Ein Stück Alltag: Frank Walter geht jeden Tag
einkaufen für die Cafétas in Bruchsal.

Wenn Walter Frank den hellbraunen Korb packt und zum Supermarkt geht, beginnt seine Therapie. Die Kassiererin ist ein Teil davon, ebenso der Gemüsehändler um die Ecke. Frank ist seit mehr als 30 Jahren psychisch krank. Jeden Tag muss er neu lernen, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Fünf Mal die Woche kauft er deshalb ein. Nicht für sich, sondern für die Cafétas in Bruchsal. In dem Café und Bistro der Caritas arbeiten psychisch-Erkrankte und Arbeitslose stundenweise mit.

Der Einkauf am Morgen bedeutet für Walter Frank eine Herausforderung – gleichzeitig ist er sein großer Halt. Die Krankheit setzt ihm viele Grenzen, doch der 52-Jährige hat gelernt, damit umzugehen. Die Tabletten gehören genauso dazu wie Albträume und das Gefühl, nichts mit sich anfangen zu können. Er lebt in einer betreuten Wohnanlage der Caritas und wird wohl nie ein Leben führen können, das andere als normal bezeichnen würden.

"Ich will etwas leisten. Nur dann bin ich glücklich.“

„Wir versuchen Menschen wie Walter einen Weg zurück in die Arbeitswelt zu weisen und wir geben ihnen das Gefühl, gebraucht zu werden“, erklärt Christa Schellmann. Die Sozialarbeiterin und Initiatorin der Cafétas ist froh über Franks Hilfe – und er über das Angebot der Caritas. Denn ein Leben ohne Arbeit kann er sich nicht mehr vorstellen. Urlaub bereitet ihm eher Unbehagen: „Ich will etwas leisten. Nur dann bin ich glücklich.“ Nachmittags genehmigt er sich einen Spaziergang durch Bruchsal. Dann ist Frank zufrieden, weil er sich diese Freizeit zuvor verdient hat.

Walter Frank gehört seit der Eröffnung im Jahr 2001 zum Team der Cafétas. Sechs weitere psychisch angeschlagene Menschen arbeiten stundenweise im Service. Unterstützt werden sie von ehrenamtlichen Frauen, die mit ihnen die Mittagsmenüs kochen. Diese kommen gut an. Das Café ist in der Mittagspause immer gut besucht. Allerdings gelingt es nicht, die Cafétas kostendeckend zu betreiben. Allein für das Haushaltsjahr 2009 fehlen 20.000 Euro. Christa Schellmann ist dennoch vom Erfolg des Projektes überzeugt, denn „wir haben im vergangenen Jahr fünf ehemals Arbeitslose dank ihres Einsatzes in der Cafétas an Arbeitgeber vermittelt.“

Text und Fotos: Vanessa Wormer