Hilfe

für Langzeitarbeitslose

Sie gelten als schwer vermittelbar: Menschen, die mehrere Jahre arbeitslos sind, dazu noch mit psychischen Problemen oder Krankheiten kämpfen. Der Verein Horizonte verschafft ihnen wieder eine JobPerspektive.

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Vom Ein-Euro-Job zur Festanstellung

Lieber Tag und Nacht arbeiten als Hartz IV

Caritas im Bistum Münster

Wally Hagmeier bei der Arbeit im Kaufhaus - Foto: Tobias Chmura

Wally Hagemeier weiß, wie man Geschäfte macht: „Wenn die Kunden handeln, gehe ich noch ein bis zwei Euro mit dem Preis runter. Das ist nicht viel, aber sie sind zufrieden und kommen wieder.“ Hagemeiers Fähigkeiten kommen nicht von ungefähr: Die 52-Jährige hat eine Ausbildung im Lebensmitteleinzelhandel gemacht und dort fast ihr ganzes Leben gearbeitet. Als sie ihren Job verlor, war sie kurz in einer Fabrik beschäftigt, danach fünf Jahre arbeitslos. Jetzt steht sie im großen Warenlager des Vereins Horizonte in Ennigerloh an der Kasse und hat wieder eine Vollzeitbeschäftigung. Das verdankt Hagemeier der JobPerspektive. Dieses Programm der Arbeitsagentur will die Teilnehmer in den ersten Arbeitsmarkt vermitteln.

Vom Ein-Euro-Job zur Festanstellung  

Hagemeiers Arbeitgeber Horizonte entstand 1984 als Arbeitsloseninitiative mit Anbindung an die katholische Pfarrei. Auslöser war das Aus eines Möbelwerks in der westfälischen Kleinstadt. 1.000 Mitarbeiter verloren ihren Job. Horizonte startete als kleine Selbsthilfeinitiative, mietete sich auf dem Firmengelände ein und beschäftigt heute 180 Menschen. Unter anderem entstand ein 3.000 Quadratmeter großes Kaufhaus. Die Waren sind Spenden und kommen vor allem aus Wohnungsauflösungen. Hier hat Wally Hagemann eine Arbeit gefunden, die ihr Spaß macht: „Ich habe immer gute Laune, denn ich arbeite gerne mit Menschen zusammen.“ Stolz berichtet sie über ihre kleine Karriere bei Horizonte: „Erst bin ich als Ein-Euro-Jobberin angefangen und jetzt habe ich eine Festanstellung. Ich bekomme mehr Geld, als ich nur mit Hartz IV hätte.“

Endlich wieder Struktur im Tagesablauf

Willi Westhagemann repariert Möbel - Foto: Chmura
Feinschliff vor dem Verkauf:
Willi Westhagemann repariert Möbel.

Ihrem Kollegen Willi Westhagemann geht es ähnlich. Gerade macht er in der Möbelausstellung letzte Reparaturen an einem Wohnzimmerschrank. Der 42-Jährige war vier Jahre lang arbeitslos, nachdem er lange als Schreiner und Bauarbeiter gearbeitet hatte. Bei Horizonte ist er täglich unterwegs, um gespendete Möbel ins Kaufhaus zu bringen. Dass er jetzt wieder Geld verdient, kommt seinen vier Kindern zu Gute – und stärkt sein Selbstwertgefühl. Das hatte gelitten, als er auf seine Bewerbungen immer nur Absagen erhielt. „Irgendwann habe ich nur noch in den Tag hinein gelebt.“ Auch mit dem neuen Job wird es für Willi Westhagemann nicht leicht, wieder eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden. Doch seine Hoffnung ist größer geworden, dass es doch noch klappt.


Jobperspektiven für Langzeitarbeitslose

Fördern und fordern lautet der Anspruch, mit dem die Bundesregierung im Jahr 2003 die Hartz-Gesetze verabschiedete. Durch Programme wie die JobPerspektive sollen Arbeitslose wieder eine Stelle finden. Dabei handelt es sich um neu geschaffene Arbeitsplätze, bei denen die Arbeitsagentur 50 bis 75 Prozent des Lohns bezahlt. Den Rest übernimmt der Arbeitgeber. An der JobPerspektive nehmen Langzeitarbeitslose teil, die zusätzlich aufgrund von Alter, Sucht oder Wohnungslosigkeit als schwer vermittelbar gelten.
Die Caritas gibt kirchlichen Einrichtungen Hilfestellung bei der Schaffung solcher Stellen, „und versucht Überzeugungsarbeit zu leisten“, sagt Dr. Ulrich Thien, Leiter des Referats Soziale Arbeit beim Diözesan-Caritasverband Münster. Mögliche Beschäftigungsfelder der JobPerspektivler sind Pflegedienste in Altenheimen, hauswirtschaftliche Tätigkeiten oder Arbeiten im Verkauf oder der Verwaltung. In der Diözese Münster hat die Caritas seit 2007 schon 133 JobPerspektive-Stellen besetzt. Weitere sollen folgen.

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Horizonte - Arbeitsförderung und Integration
Caritas in der Diözese Münster

Text und Fotos: Tobias Chmura