Caritas Berlin

Gabriela Allgeier ist gerne mit dem Fahrrad unterwegs. Jeden zweiten Freitag im Sommer verstaut die Leiterin des Berliner Arztmobils die medizinische Ausrüstung in ihren drei Packtaschen. Mit einem Kollegen fährt sie kreuz und quer durch die Berliner Parks. „Früher haben wir mit dem Arztmobil davor gehalten und sind zu Fuß hinein gegangen“, erzählt sie. Um die Obdachlosen zu behandeln, mussten sie oft erst zum Auto zurück und das nötige Material holen. Seit Frühjahr 2007 ist das nicht mehr nötig. Damals konnte das Arztmobil die Fahrradausrüstung mit Spendengeldern beschaffen.
Die Hilfe kommt überall hin
Vom Wannsee bis zum Tiergarten – mit ihrem Rad kommt Allgeier überall hin. Wenn es durch unwegsames Gelände geht, schiebt sie. So erreicht sie Menschen, denen sie vorher nicht helfen konnte – auch hinter Büschen oder am Ufer der Spree. „Wir leisten Erstversorgung, geben den Obdachlosen eine Suppe oder einen Tee, bringen einen Schlafsack mit, verbinden Wunden oder geben ihnen die nötigen Medikamente“, berichtet die radelnde Krankenschwester. Ihr geht es vor allem darum, Hemmschwellen abzubauen und Kontakt aufzunehmen, „damit die Leute das Gefühl haben, dass sich noch jemand um sie kümmert“.
Mit der Überforderung fängt alles an
Etwa 10.000 Obdachlose leben in Berlin. Sie wohnen in Parks, unter Brücken, im Zelt oder unter einer Plane. Die meisten sind
Männer zwischen 40 und 80 Jahren. Ihre Geschichten ähneln sich: „Die häufigsten Probleme sind Suff und Arbeitslosigkeit oder
der Tod der Frau. Die Männer fliehen dann aus der Wohnung, weil sie überfordert sind, zahlen oft keine Miete mehr, kommen
nicht mehr zurück oder werden rausgeschmissen. Viele gammeln dann in irgendeinem Hinterhof vor sich hin.“
Wer im Sommer im Park lebt, tut das in der Regel auch im Winter. Deshalb würde Allgeier gerne öfter und auch in der kalten
Jahreszeit raus fahren. Sie ist stolz auf das mobile Hilfsangebot der Berliner Caritas, weil es bundesweit Modellcharakter
hat. „Ohne die Fahrradtouren würde uns hier etwas verloren gehen.“
Text: Andreas Saerbeck
Fotos: Caritas Berlin , Thomas Gleißner
