Caritas Mannheim
Muckel lebt auf der Straße. Den Spitznamen hat er wegen seiner roten Haare, die an die Comicfigur Pumuckl erinnern. Den richtigen Namen des 50-Jährigen kennt kaum einer. Nur Sozialarbeiter Christian Deimel spricht ihn mit seinem richtigen Namen an. Muckel ist häufig in der Mannheimer Tagesstätte für Wohnungslose. Dort bekommt er mittags ein warmes Essen und einen Kaffee. Außerdem geht er duschen oder wäscht sich. In der kalten Jahreszeit schaut Muckel auch in der Kleiderkammer vorbei. Dort holt er sich gebrauchte Kleidungsstücke, die ihn in kalten Nächten warm halten sollen. „Wir haben alle Arten von Kleidung. Im Winter sind natürlich vor allem dicke Daunenjacken gefragt“, sagt Christian Deimel, „wir geben aber auch Hygieneartikel, Schlafsäcke, Fahrkarten und Bademarken aus“.
Ehrenamtliche Ärztin kümmert sich um die Wunden
Seit Jahren setzt sich die Mannheimer Caritas für wohnungslose Menschen ein. In der Tagesstätte arbeiten hauptberufliche und ehrenamtliche Mitarbeiter. Darunter ist auch die Ärztin Dr. Jasmin Rustom. Zusammen mit einer Krankenschwester kümmert sie sich um die Wunden der Patienten. „Häufig sind es kleinere Verletzungen, die aufgrund schlechter Hygiene oder mangelnder Wundversorgung aber schlecht heilen“, erzählt die Ärztin.
Für die eigenen Rechte eintreten fällt vielen schwer
Die Sozialarbeiter versuchen die Situation der Wohnungslosen zu verbessern. „Die meisten haben Anspruch auf Sozialleistungen wie Rente, Wohngeld oder Hartz IV. Viele scheuen sich aber die Auseinandersetzung mit Ämtern und Behörden oder wissen einfach nicht, wie es funktioniert“, sagt Sozialarbeiter Deimel. Er und seine Kollegen greifen dann oft zum Telefon und versuchen, zumindest die Grundversorgung zu sichern. Dazu gehört auch die Vermittlung an Wohnheime und Notunterkünfte, damit die Wohnungslosen nicht draußen schlafen müssen. Für manche ist das der erste Schritt zurück in ein geregeltes Leben.
Sonntags zu Gast bei Pfarrgemeinden
Während der Wintermonate treffen sich die Bedürftigen in verschiedene Pfarreien Mannheims. Ehrenamtliche Helfer beider Konfessionen laden sonntags in die Gemeindehäuser ein und bitten unentgeltlich oder gegen Vorlage eines Gutscheins zu Tisch. Mehr als 100 Gäste sättigen sich dann mit Knödel und Braten, Kaffee und Kuchen. „Wir stehen aber auch zu Gesprächen bereit“, sagt Pfarrgemeinderat Hermann Kley von der Gemeinde Zwölf Apostel. In der Gartenstadt haben Ehrenamtliche der Caritaskonferenzen eine Kleiderkammer für Kinder eröffnet. Sie haben Hosen, Pullover, Jacken, Schuhe und sogar Spiele – aber nur für Menschen, die einen Bezugsschein von den Beratungsstellen haben.
Der Rest ist Hoffnung
Muckel hat bei der Kleiderausgabe im Tagestreff einen Pullover ergattert. Dieser wird ihn in den nächsten Monaten warm halten, wenn er durch Mannheim zieht. 25 Jahre war er wohnungslos und lebte auf der Straße. Vor einem Jahr hat er durch Christian Deimel und sein Team einen Platz in einem Wohnheim bekommen. Für den Sozialarbeiter ein Erfolg: „Man muss auf die Menschen zugehen und ihnen die Verbesserungen Stück für Stück nahe bringen. Der Rest ist Hoffnung.“
Christian Klehr – Caritasverband Mannheim e. V.
