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Schuldenfrei in sechs Jahren

Versandkataloge locken mit Ratenzahlungen, Kreditangebote flattern unaufgefordert ins Haus – da sind Schulden schnell gemacht. Die Beratung der Caritas hilft Betroffenen, den Schuldenberg abzubauen.  

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Onlineratgeber der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung rund um das Thema Entschuldung. Mit Musterbriefen und Adressen von örtlichen Beratungsstellen.

Schuldnerberatung

Wenn die Rechnung im Müll landet

Geld, Rechnungen, Kontoauszüge
Wer knapp bei Kasse ist , muss seine Ausgaben in den Griff bekommen.

Wer sich einen Flachbildschirm oder das neueste Handy auf Kredit leistet, verfügt in der Regel über ein stabiles Einkommen – und denkt gar nicht an Verschuldung. „Schulden werden in guten Zeiten gemacht“, berichtet Gabriele Eckert, Schuldnerberaterin bei der Caritas in Kehl. Doch dann kommt der „Störfall“: Arbeitsplatzverlust, Trennung, Krankheit, eine gescheiterte Selbständigkeit führen dazu, dass weniger Geld verfügbar ist. Der bisherige Lebensstandard kann nicht gehalten werden.

Kredite, Telefon und Versicherungen werden nicht mehr bezahlt, Rechnungen landen ungeöffnet in der Schublade oder im Papierkorb. Es wird Zeit für eine Schuldnerberatung. Der Betroffene muss vorab eine Gläubigerliste erstellen und seine Ein- und Ausgaben aufführen. „Viele sind beim ersten Mal ängstlich und vorsichtig, weil sie nicht wissen, was sie erwartet. Aber ich reiße niemandem den Kopf ab“, meint Gabriele Eckert, die mit ihren kurzen Haaren und der kleinen Brille Vertrauen weckt. „Manchen ist es peinlich, zahlungsunfähig zu sein.“

Der erste Schritt: keine neuen Schulden

Betroffene führen ein Haushaltsbuch und machen sich so ihre Ausgaben bewusst. Sie sparen, indem sie unnötige Versicherungen kündigen. Dann versucht die Beraterin, mit den Gläubigern eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Per Zahlungsplan wird festgelegt, wie viel der Betroffene in monatlichen Raten zurückzahlen kann.

Nehmen alle Gläubiger den Plan an, ist der Betroffene nach sechs Jahren schuldenfrei. Soviel zur Theorie. In der Praxis haben die meisten Schuldner zu wenig pfändbares Einkommen und zu viele Gläubiger. „Bei zehn Gläubigern ist es schwierig, alle vom Zahlungsplan zu überzeugen, meint Eckert. Trotzdem hat sie es in einem Fall nach eineinhalb Jahren Verhandlung geschafft, dass alle 27 Gläubiger dem Plan zustimmen.

Sparen bei Kaffee, Kino und Klassenfahrt

Viele Schuldner sind Niedrigverdiener. Nur ein Viertel verfügt in der Ortenau über ein pfändbares Einkommen, das vom Familienstand abhängig ist. Trotzdem versuchen die Betroffenen, einige Euro für die Tilgung zu sparen. „Manche leisten sich keinen Kaffee, kein Kino und hocken nur daheim. Die isolieren sich völlig“, warnt Eckert. Andere klagen über teure Klassenfahrten für die Kinder. „Aber beim Elternabend würden sie das nie ansprechen!“ Wie viel Schuldner zurückzahlen, hängt von Einkommen und Schuldenhöhe ab. „Es kommt vor, dass der Gläubiger keinen Euro wieder sieht“, sagt die Beraterin.

Häufig scheitert die außergerichtliche Einigung, weil einer der Gläubiger nicht zustimmt. „Dann ist die Insolvenz der letzte Ausweg. Die Betroffenen müssen ihre Vermögenswerte vor Gericht auf den Tisch legen. Immobilien und Lebensversicherungen werden einkassiert“, erklärt Gabriele Eckert. Die Gläubiger-Mehrheit muss einem gerichtlich ausgehandelten Schuldenbereinigungsplan zustimmen. Scheitert das, muss der Schuldner den pfändbaren Teil seines Einkommens über einen Treuhänder sechs Jahre an die Gläubiger zahlen. „Wenn sich der Schuldner richtig verhält, ist er nach sechs Jahren schuldenfrei und beginnt ein neues Leben“, meint Eckert. Dank der Beratung fühlten sich Schuldner nicht allein und den Gläubigern weniger ausgeliefert. „Sie blühen richtig auf und haben Hoffnung, weil sie einen Ausweg sehen. Dann heißt es: Nie wieder mache ich Schulden, lieber spare ich mir was zusammen.“

Maria Wimmer – Caritasverband Kehl-Hanauerland e. V.  
veröffentlicht in news - Caritas-Mitteilungen für die Erzdiözese Freiburg